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Sep 07

LEBENSLAUTE bei Heckler&Koch in Oberndorf 2012

Liebe Freundinnen und Freunde des COMM e.V.,

am vergangenen Montag war die - erfolgreiche - Aktion,
am Dienstag haben wir weiter in den Räumen,
die wir für die Proben und Treffen zur Verfügung hatten, aufgeräumt,
Mittwoch war ich den ganzen Tag auf der Autobahn,
und nun komme ich endlich dazu, zu schreiben...

Zu den Hintergründen der Aktion und Lebenslaute selbst steht ja schon einiges auf der
entsprechenden unter Camps/Aktionen, und für weiterführende Informationen finden sich da
auch weitere Links. Warum diese Aktion sinnvoll und gut sein würde, war mir jedenfalls sofort
klar, als ich im Januar davon hörte, und ich wusste gleich, dass ich da mithelfen will,
wenn es irgendwie ginge.

Es ging, und so kam ich zusammen mit Xxxxx, noch einem von der ZUGABe-Aktionsunterstützung (AU), am Montag vergangener Woche mit dem Auto voller Material und Geräten in Villingen-Schwenningen an. In den folgenden Tagen bereiteten wir zusammen mit den lokalen Unterstützer_innen die von ihnen besorgten (kirchlichen) Räume für die jeweiligen Veranstaltungen vor und besorgten noch fehlendes Material. Die LEBENSLAUTE sind Musiker_innen aus ganz Deutschland und Österreich.Für diese Aktion haben sich rund 100 Instrumente Spielende und Singende zusammengefunden. Sie haben nicht viel Gelegenheit, gemeinsam zu proben, und das Wochenende in Kassel im Juni war eine davon (siehe COMM-Rundbrief vom 17.6.). Darum sollte von Donnerstag an sowohl musikalisch geprobt als auch – in basisdemokratischer Weise – die Aktion vorbereitet und trainiert werden, beides jeweils mal in kleineren Gruppen, mal mit allen zusammen. Eine kleine Kirche wurde Probensaal für das Orchester, im Gemeindesaal probte der Chor, in einem anderen Gemeindehaus haben die „Maulwürfe“ aus Freiburg für alle gekocht, im dazu gehörenden Saal wurde gegessen und die Aktiontrainiert, und in mehreren weiteren Räumen fanden Bezugsgruppentreffen und spezielle Proben statt. Je nach Anforderung mussten in den Räumen Tische und Stühle hin- oder weggeräumt werden, einen Raum haben wir uns als Materiallager und Büro eingerichtet, und für das Vorkonzert am Sonntag, das quasi die Generalprobe für das Hauptkonzert am Montag sein sollte, haben wir in einer großen Kirche rund um den Altar eine Bühne für die hundert Musiker_innen gebaut. Am Samstag, dem „Antikriegstag“ bzw. „Weltfriedenstag“, gab ein kleines LEBENSLAUTE-Ensemble eine musikalische Unterstützung der Kundgebung aufdem Geschwister-Scholl-Platz in Schwenningen, am Sonntagnachmittag fand dann das große Konzert in der Kirche in Villingen statt. Das Programm und ein paar erläuternde Worte zu den Stücken sowie die Liedtexte gibt es hier als PDF-Download. Für uns Aktionsunterstützer_innen war schon der Sonntag eine Herausforderung: Wir konnten mit dem Bühnenbau erst um 11:30 nach dem regulären Gottesdienst beginnen, und um 14:30 sollte alles fertig sein. Außerdem sollten ein großes Banner in der Kirche und mehrere kleine drinnen und draußen aufgehängt werden. Nach dem Konzert mussten die Kirche und der Gemeindesaal, in dem das Abendessen für alle serviert wurde, wieder in den vorigen Zustand versetzt werden, was bis ca. 21 Uhr dauerte, und danach haben wir die Autos für den folgenden Morgen gepackt. Neben diversem Kleinmaterial ging es um Regenschutz für die Instrumente (wir hatten diverse Pavillons parat), die (solarstrombetriebene) Lautsprecheranlage für die Redebeiträge und um zwei Anhänger voll mit Sitzbänken für das Publikum. In der Nacht bekamen alle nicht viel Schlaf, denn der Plan war, um 20 vor 5 alle fünf Tore des Heckler&Koch-Werks zu blockieren, weil normalerweise die ersten Arbeiter_innen um 5 kommen. Um 3 Uhr ging es los, Oberndorf liegt ja noch ein Stück entfernt von Villingen-Schwenningen. Und von da an lief alles wie geplant: Die 5 Gruppen kamen zu ihren Toren, bauten sich auf und fingen an zu musizieren, die jeweils anwesenden AU-Leute hängten Transparente auf und sicherten wo nötig vor ankommenden Autos (es war ja noch dunkel und keine Polizei vor Ort, die das hätte übernehmen können… ;-) ). Der Rest der AU brachte schnell die schon vorm Wochenende auf eine Grünfläche ganz in der Nähe gelieferten Toilettenkabinen zu den Aktionsorten, und gleich danach begannen wir, den Freiluft-Konzertsaal vorm Haupttor herzurichten. Dort durften wir nicht mit dem Auto vorfahren, und so brachten wir die Tische/Bänke und die Tonanlage per „Ameisenstraße“ über den Zaun und eine weitere Toilette mit der Sackkarre über den Parkplatz. Um 9 beendeten die Blockadegruppen an den Nebentoren ihre Aktionen dort und kamen alle am Haupttor zusammen, um sich dort auszutauschen, mit von den Maulwürfen bereiteten heißen Getränken und Gebäck zu stärken und sich auf das Hauptkonzert vorzubereiten. Es kamen dann auch immer mehr Menschen, die die für 10 Uhr angekündigte Konzert-Blockade direkt vor dem Haupteinfahrtstor von „Europas tödlichstem Unternehmen“ (Jürgen Grässlin) hören und sehen wollten. Das Publikum wuchs auf eine Zahl von knapp 300 Menschen an, was an einem Montagvormittag und in einer Gegend, wo zu diesem Thema lieber geschwiegen wird, sehr beachtlich ist. Im Laufe des Vormittags klarte das Wetter auch etwas auf, so dass trotz des ernsten Anlasses bei zeitweise strahlendem Sonnenschein bei „Guantanamera“ mitgesungen und -geklatscht und bei einem anderen Stück sogar getanzt wurde… Wie geplant beendeten wir die Aktion gegen 12:30, um uns auf einer nahe gelegenen Grünfläche für das Mittagessen und die Abschlussrunde wieder zu versammeln. Währenddessen baute ein Teil der AU – diesmal durften wir mit Autos und Anhängern vorfahren – den „Konzertsaal“ wieder ab, so dass dann für die Heckler&Koch-Wachleute der „Spuk“ erstmal wieder vorbei war. Die Polizei war – nach unserer Ankunft – auch zahlreich erschienen, hielt sich aber sehr im Hintergrund. Der stellvertretende Einsatzleiter Xxxxxxx, den ich schon am Donnerstag bei der Anlieferung der Klokabinen kennenlernen durfte, war an diesem Morgen um 5 nicht gut gelaunt. Er schien „überrumpelt“ und war sauer, dass wir uns nicht an die angekündigte Zeit gehalten hatten. Später, nachdem die Lage klarer wurde, hellte sich seine Laune auf. Gegen 7 fragte er zwar noch, ob wir ein Tor freigeben würden, damit sowohl Lebensmittellieferer für die Werkskantine als auch Polizeifahrzeuge auf das Gelände könnten, was wir verneinten mit der Begründung, dass wir hier seien, um zu blockieren. Außer Rettungswagen und Feuerwehr würden keine Fahrzeuge durchgelassen, und wenn die Werksangehörigen Hunger hätten, sollten sie rauskommen und um 9 mit uns was essen. :-P Die Einsatzleitung schien anfangs auch eine Go-in-Aktion zu befürchten, und als ihr klar wurde, dass das (diesmal) nicht unser Anliegen ist, durfte die frühmorgens in Kampfmontur einmarschierte Spezialeinheit (BFE) ihre Helme und Knüppel in ihre an der Blockade vor Tor 5 geparkte Autos zurück bringen. Zum Schluss kam Herr Xxxxxxx – während de Konzerts hatte er im Orchester seinen früheren Kunstlehrer entdeckt un begrüßt – freudestrahlend auf uns zu und hat sich verabschiedet… Die Geschäftsleitung von Heckler&Koch hat sich anscheinend gut beraten lassen und hat Konfrontationen vermieden und alles „ertragen“, um noc mehr Medienaufmerksamkeit, z. B. durch Bilder von Polizist_innen, die vorm H&K-Tor mit Musiker_innen rangeln, zu vermeiden. So gab es z. B. diese Berichte von einer „friedlichen“ Aktion, mit der einmal mehr angeprangert wurde, dass von Deutschland Krieg ausgeht… http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=10267438/ssd0po/ http://www.taz.de/Waffenschmiede-in-Oberndorf-blockiert/!100942/ http://www.jungewelt.de/2012/09-04/046.php Das Foto im Anhang zeigt das Konzert am Sonntag in der Markuskirche in Villingen (mehr Fotos demnächst auf der COMM-Homepage), und für einen Eindruck von der Aktion am Montag empfehle ich den 6-Minuten-Film von graswurzel.tv: http://www.graswurzel.tv/v220.html


Weitere Informationen sowie mehr Links zu Medienberichten gibt es auf
der LEBENSLAUTE-Homepage: http://www.lebenslaute.net/?page_id=756

Es hat mir viel Freude gemacht, mit so vielen bewegten Menschen diese
bewegende Aktion durchzuführen und als Nichtmusiker Teil dieses
großartigen Orchesters gewesen zu sein.  Ich denke, diese Aktion war
auch für LEBENSLAUTE eine ungewohnt anspruchsvolle, mit einer
ungewohnten Größe von Chor und Orchester und an zeitweise 5 Aktionsorten
gleichzeitig. Dass das alles so ziemlich sehr gut funktioniert hat (aus
meiner Sicht, ein paar Dinge sind immer noch besser zu machen), liegt m.
E. an der guten Vorbereitung und dem wunderbaren Zusammenspiel der ja
irgendwie "zufällig" zusammengekommenen Leute, die alle mindestens die
eine Verbindung haben: Die Idee(n) hinter der Aktion.
Und eine Menge Glück hatten wir auch...  ;-) 

Liebe Grüße      Carsten