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Sep 17

WAR STARTS HERE Camp 2012

vom 12. bis 17. September in der Altmark bei Hillersleben / Magdeburg

Das sog. Gefechtsübungszentrum (GÜZ) in der Altmark nördlich von Magdeburg ist einer der größten
und der modernste Truppenübungsplatz Europas. Er wurde von den Nazis gegründet,
nach Kriegsende von der Sowjet-Armee weiterbetrieben und 1994 von der Bundeswehr übernommen.
Seitdem setzt sich u. a. die Bürger_innen-Initiative OFFENeHEIDe für die „ausschließlich zivile Nutzung“ der Heide ein, war dabei aber leider nicht so erfolgreich wie die BI FREIeHEIDe mit dem „Bombodrom“.
Vielmehr wird das GÜZ ausgebaut: Zitat von der Seite
mit Hintergrundinformationen zum Internationalen Diskussions- und Aktionscamp:

„Inmitten der 232km² Heidelandschaft des Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Altmark bei Hillersleben/Magdeburg wird ab 2012 eine moderne Großstadt nachgebaut: „Schnöggersburg“ hat eine U-Bahn, einen Flughafen, eine Innen- und Altstadt, Regierungs-, Industrie- und Elendsviertel. Das Nato-Strategiepapier „Urban Operations in the Year 2020“ konstatiert, dass weltweit mehr und mehr Menschen in Städten leben und dort verarmen. Daher sei es nötig, Defizite der Einsatzfähigkeiten der Militärs im urbanen Raum zu beheben.“
Mit anderen Worten: Die Bundeswehr bereitet sich auf die Niederschlagung von „Unruhen“ vor, in aller Welt, und nach dem Verfassungsgerichtsurteil auch im Inland pseudolegal.

Die Idee, unter dem Motto „war starts here, let’s stop it here“ bei uns zuhause auf die Orte hinzuweisen, von denen die aktuellen Kriege ausgehen, an denen auch „unsere“ Armeen beteiligt sind, die also auch in unserem Namen geführt werden, wurde vom gleichnamigen internationalen Aktionscamp in Nordschweden, zu dem im vergangenen Jahr die Gruppe Ofog aufgerufen hatte, mit nach Deutschland gebracht.
Wir waren dort im Rahmen der 2008 begonnenen europäischen Vernetzung der gegen NATO und Militarismus arbeitenden gewaltfreien Aktionsgruppen .Hier gibts es einen kurzen Bericht und hier Fotos von der damaligen – sehr pinken – Aktion am sog. NEAT (North European Aerospace Test Range)…

Obwohl die Organisator_innen des heute zu Ende gegangenen Camps in der Altmark auf der Internetseite und in Drucksachen bewusst das Wort vermieden hatten, waren es unterm Strich eigentlich „Gewaltfreie Aktionen“ dort am vergangenen Samstag. Manche Vokabeln und Ausdrucksweisen hätte ich so nicht verwendet, aber die Homepage war in den Tagen davor sehr aktuell und voller Hintergrundinformationen, und das in mehreren Sprachen. Beweis für das besonnene Auftreten und den Willen zur Deeskalation bei den Aktivist_innen ist die Tatsache, dass trotz des „Angebots“ von der Polizei durch überzogene und teilweise schikanöse Maßnahmen sich keine_r provozieren ließ.

Anfangs war jegliche Demonstration in der Nähe des Truppenübungsplatzes verboten, was aber nicht haltbar war. Die – neben der Dauermahnwache auf dem Letzlinger Marktplatz (für deren Überwachung die Polizei auf einem nahegelegenen Schornstein eigens Kamera und Mikrophon mit Direktübertragung zur Einsatzzentrale installieren ließ) – einzige zugelassene Kundgebung auf der Straße zur Haupteinfahrt des GÜZ war nur zu Fuß und nach Taschenkontrollen und Körperabtastung zu erreichen. Die Polizei schien zu glauben, dass von dort der „Sturm“ aufs Gelände losgehen sollte. Am Waldrand standen „Hamburger Gitter“, so weit das Auge reichte, und dahinter auf der Straße Wasserwerfer.
(Dass das nicht der Plan war, war schnell offensichtlich. Trotzdem behauptete die Polizei in Pressemeldungen, sie hätte das mit ihrem Konzept erfolgreich verhindert…)

Die Leute, die in Kleingruppen zum „Markieren und Umgestalten“ auf das Gelände wollten, tauchten bei dieser Kundgebung gar nicht auf, sondern waren auf dem Weg zu ihren Aktionsorten oder schon längst dort.
Fotos von Ergebnissen dieser Aktivitäten gibt es hier.

So fand die Baumpflanzaktion der BI OFFENeHEIDe mit musikalischer Begleitung durch ein Lebenslaute-Quintett vor relativ kleinem Publikum statt. Es wurde am Straßenrand auf dem GÜZ-Gelände eine Ulme gepflanzt zu Ehren der 2009 gestorbenen DDR-Bürger_innenrechtlerin Erika Drees, die auch lange Jahre GAAA-Aktive und in der BI OFFENeHEIDe war.

Auch wenn der Übungsbetrieb an dem Tag vermutlich wirklich nicht erheblich gestört wurde, war die Aktion erfolgreich. Es gab öffentliche Aufmerksamkeit und Medienresonanz, womit ein paar Inhalte transportiert werden konnten, die bis dahin weitgehend unbeachtet blieben, und es wurde einmal mehr mitten in Deutschland gezeigt: Krieg beginnt hier! Und hier können und müssen wir ihn aufhalten.
Dass deutsche Soldaten in Auslandseinsätze geschickt werden, um dort Brunnen zu bohren oder Frauenrechte durchzusetzen, ist eine Lüge, die mittlerweile (fast) keine_r mehr glaubt. Es wird auch für die sog.
breite Öffentlichkeit immer deutlicher, wozu die gegenwärtigen und zukünftigen Einsätze dienen.

Hier ein Bericht des MDR

und hier die abschließende Pressemitteilung des Camps

CO